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Demonstration und Klangbeispiele An dieser Stelle haben Sie nun die seltene Möglichkeit, den als problematisch erachteten Zustand der Marcussen-Orgel, mittels mp3-Files, selbst zu begutachten. Des Weiteren haben Sie aber auch die Möglichkeit in die zuletzt erschienene Orgel-CD von 1997, eingespielt von Domorganist Rainer Selle, reinzuhören und den Charakter der Marcussen-Orgel kennen zulernen. Zu den Demonstrationsbeispielen ist vorweg zu sagen, dass die Tonaufnahmen in keinster Weise nach bearbeitet wurden, der Effekt verstärkt oder jegliche andere Art der Manipulation angewendet worden sind.
Demonstration: Der renovierungs- und überarbeitungsbedürftige Zustand wurde hier in zwei Gruppen eingeteilt. Platzmangel im Hauptgehäuse: - Gedacktpommer 16' im Hauptwerk als Ersatz für den Prinzipal 16': (267 KB)
Marcussen verlegte den Prinzipal 16' (im Prospekt), der ursprünglich im Hauptwerk stand, ins Pedal. Das Hauptwerk erhielt als Ersatz einen Gedacktpommer 16'. (vgl. Disposition) Dieser ist im Gegensatz zum Prinzipal 16' wesentlich grundtonärmer und stellt somit kein zufriedenstellendes Fundament für das Pleno einer Kathedralorgel! Im Klangbeispiel hören Sie ist ein C-Dur Akkord (c, e, g, c'). Zu erst den "ursprünglich" Prinzipalchor gespielt mit 16' (Ped), 8' und 4' (HW). Direkt danach den Istzustand mit Gedacktpommer 16', Prinzipal 8' und Oktave 4' (HW)! - Spitzgambe 8' und Gedackt 8' im Brustwerk: (558 KB)
Spielt man diese beiden Register zusammen, so subtrahieren sie sich gegenseitig im Klang, weil sie zu dicht beieinander stehen. Dadurch steht dem Organisten bei 14 Registern im Brustwerk nur ein "echter" 8' zur Verfügung. Im Klangbeispiel hören Sie die Register einzeln und zusammen in folgender Reihenfolge:
Ged 8' (einzeln), Spitzg 8' (einzeln), + Ged., - Ged, + Ged, - Spitzg - vollgestopftes Brustwerk: (537 KB)
An Hand dieses Klangbeispiels lässt sich nur annähernd erahnen, wie laut der Organist im Tutti vom Brustwerk "angeschrien" wird (s. Disposition). Bei geöffneten Schwelltüren ist es förmlich eine Körperverletzung, die ein "Klingeln" in den Ohren hinterlässt. - Mixtur, Scharff und Zimbel im Hauptwerk: (1,88 MB)
Verwendet man die Klangkronen einzeln, so stimmen sie. Spielt man sie jedoch zusammen, egal ob zu zweit oder zu dritt, so versetzten sie sich gegenseitig in deutlich hörbare Schwingungen, weil sie zu eng stehen. Auch hier hören Sie die Register zunächst einzeln und danach zusammen:
Oktave 4' (HW, als Stimmung der Orgel) + Mixtur, Scharff und Zimbel (je einzeln) - Mixtur und Scharff; Mixtur und Zimbel; Scharff und Zimbel; Mixtur, Scharff und Zimbel Verschlissenes Material: - Die ausgespielte Hauptwerkstraktur: (324 KB)
Die Hauptwerkstraktur ist stark ausgespielt und repetiert nur noch sehr langsam, das zeigt sich auch klanglich. Im Klangbeispiel hören sie erst einen schnell repetierenden Ton auf dem Brustwerk (mit Sifflöte 1' gespielt), zum Vergleich dann das Hauptwerk (mit Trompete 8' gespielt) und abschließende das Brustwerk an das Hauptwerk gekoppelt. Hier hören Sie nun deutlich, dass die BW-Traktur die Sifflöte viel deutlicher und schneller anspricht als die HW-Traktur die Trompete. - ungewollt repetierende Brustwerkstraktur: Oboe (296 KB) - Vox humana (434 KB)
Spielt man schnelle akzentuierte Passagen auf dem Brustwerks, so repetiert diese ungewollt. Im Beispiel hören den Anschlag, und dann je nach Lage unterschiedlich, einen oder einen zweiten, repetierten Ton. - "kratziger" Prinzipal 8' im Rückpositivs (verrutschte Pfeifenkerne): (349KB)
Hier hören Sie, dass die Ansprache des Prinzipal 8' im Rückpositivs sehr unterschiedlich ist. Viel Töne klingen sehr "kratzig", vor allem bei schnelleren Passagen "sägen" einige Pfeifen. (Die Ansprache dauert zu lange...als dass sich der Ton entfalten könnte!) - Posaune 32' im Pedal: (384 KB)
Die Posaune 32' ist "altersschwach". Die Stimmkrücken sitzen fest, daher lässt sie sich nicht mehr stimmen. Die Ansprache ist miserabel, wenn man nicht wörtlich ins Pedal tritt, bleiben viele Töne weg, oder kommen nur halb. (vgl. Video!) Im Klangbeispiel können Sie vor allem die sehr unterschiedliche Intonation vernehmen!
An dieser Stelle stellen wir außerdem ein Video online, das das Ansprachenproblem verdeutlicht. Sie können deutlich sehen, dass v.a. für das A mehr Körpergewicht hilfreich sein kann. Es ist klar, dass die Posaune 32' nicht unbedingt ein Solo Register ist. Trotzdem ist die Ansprache zu ungleichmäßig und zu langsam. Bitte sehen Sie über das etwas zu sportlich geraten Schuhwerk hinweg! - Laute elektropneumatische Registertraktur im Rückpositiv: (230 KB)
- Laute elektropneumatische Registertraktur des gesamten Werkes (Kombinationswechsel): (116 KB)
- unterschiedliche Latenz der Registertraktur: (659 KB)
Die Latenz der Registertraktur, also die Zeit vom Ziehen des Registers bist zum Erklingen, ist sehr unterschiedlich und lang. Zwischen 0,2 und 0,7 Sekunden. Das stellt für den Registranten immer wieder eine neue Herausforderung für das pünktliche Registrieren dar. Sie hören einen liegenden Ton auf dem Hauptwerk, und das ziehen der Register. Besonders am Ende können Sie den Unterschied wahrnehmen, Sie hören deutlich wie Trompete und Fagott gleichzeitig gezogen wurden, jedoch nacheinander "einsetzen". Über ein Feedback, einen Kommentar oder konstruktive Kritik (im Gästebuch, per Mail...) bzgl. unserer mp3-Demonstration, würden wir uns sehr freuen.
Vorweg: Es handelt sich um aufgeschrieben Improvisationen, die hier lediglich als Klangeindruck dienen sollen. Diese drei Stücke sind nicht zur Demonstration der Renovierungsbedürftigkeit gedacht! Das größte Problem, dass die Marcussen-Orgel nicht annähernd in der Lage ist, denn großen Dom angemessen zu füllen, wird anhand dieser professionenellen Aufnahmen nicht deutlich. Für den ausgewogenen CD-Klang wurden die Mikrofonen nur entsprechend nah am Instrument positioniert.
Rainer Selle (*1955) - aus der Partita "Jesus ist kommen" (im Stile französischer Komponisten):
Die komplette Partita, bestehend aus 12 Einzel-Sätzen, sowie acht weitere Orgelwerke (Kerll, Pachelbel, Böhm, J.S. Bach, Claussmann, Renaud, Alain) sind von Domorganist Rainer Selle auf CD eingespielt worden.
Bei weiteren Fragen und Interesse wenden Sie sich bitte über unser Kontaktformular an Domorganist Selle.
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